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  • AutorenbildAntje

Kampf um Vergebung - Michael Stahl

Aktualisiert: 27. Jan. 2023

Von einem ehemaligen Türsteher und Bodyguard erwartet man Härte, Unnahbarkeit. Umso mehr überrascht Michael Stahl, der Liebe und Vergebung nicht nur postuliert, sondern auch lebt.


Michael Stahl ist nicht besonders groß, seine Haare hat er kurz geschoren. Der dunkle Bart lässt ihn lässig wirken, ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen als er etwas verspätet durch die Tür tritt. Der Kampfsportler wirkt leicht durch den Wind, begrüßt jeden im Raum aber mit offener Herzlichkeit. Seine Mitarbeiterin macht ihm einen Kaffe. „Er hat viel zu tun momentan“, erklärt die Trainerin.


Der 59-jährige leitet eine kleine Sportschule in Bopfingen, seinem Geburtsort. Er selbst betreibt Kampfsport seit er 12 Jahre alt ist. „Kampfsport habe ich, glaube ich, gemacht, weil mein Leben ein Kampf war“, sagt er mit Blick in die Ferne. Sein Leben ist gezeichnet von Leid und Schmerz. Stahl ist als Sohn eines arbeitslosen Alkoholikers aufgewachsen. Sein Vater misshandelte ihn sowohl körperlich als auch psychisch, indem er ihm Worte einprägte, die bis heute Auswirkungen zeigen: ‚Du bist nichts! Du kannst nichts! Aus dir wird nichts!’ „Das hinterlässt Spuren“, erzählt der Schwabe. „Die Sätze verlieren an Macht, aber sie sind immer noch da.“ Es scheint als würde er sie immer noch hören.


Inzwischen ist sein Vater seit mehr als 10 Jahren tot. Doch er prägt Stahl bis heute. Vor allem ein Ereignis erzählt er immer und immer wieder: „Ich bin an diesem Tag zu ihm gegangen und habe gesagt: ‚Ich hab‘ dich lieb und vergib du mir.’“ Stahl erzählt die Geschichte mit einer Entschlossenheit in der Stimme, die wenig von seinem damaligen Kampf um diese Entscheidung zeigt. Er wird oft gefragt, warum er sich bei seinem Vater entschuldigte und nicht auf dessen Bitte um Verzeihung bestand. Seine Antwort überrascht so einige: „Mein Vater hat mich geschlagen, getreten, angespuckt, viele schlimme Dinge gemacht. Aber ich glaube, wenn wir nur einen Fehler beim anderen Menschen machen und der andere millionenfach an uns schuldig wird, so ist es in meinem Herzen, für mich drin: Geh hin und bitte um Verzeihung für diese eine Schuld.“

Das Leben des Kampfsportlers ist geprägt von Vergebung seit er seinem Vater vergeben hat. Heute hält er mit dem Verein "Protactis" überall dort Vorträge, wo er eingeladen wird: in Kindergärten, Schulen, aber auch in Gefängnissen. Sein Fokus liegt dabei immer auf der Vergebung und der Liebe. Seine Mission: "Ich berichte den Leuten von meinen Niederlagen. Und ob jetzt einer im Gefängnis ist oder nicht, wir alle haben unsere Sorgen. Wir alle haben unsere Zweifel und genau dort möchte ich den Menschen begegnen."


Stahls Leben hat sich durch die Versöhnung mit seinem Vater um 180 Grad verändert. Der einmal vaterlose, ist jetzt ein Vater, ein Vorbild für viele. Viele Menschen suchen Rat bei ihm und es haben auch schon einige durch sein Vorbild Mut zur Vergebung gefunden. "Ich weiß nicht wie viele Straftaten wir schon verhindert haben, weil Menschen Liebe ausgesprochen haben oder einander um Verzeihung gebeten haben. Gott wird das wissen", verrät der bekennende Christ.


Kämpfer, Türsteher, Bodyguard - Trainer, Vorbild, Vater. Michael Stahls Geschichte ist geprägt von scheinbaren Gegensätzen. Gegensätze, die ihm heute erlauben andere in ihrem Leid zu verstehen.



Michaels Geschichte kannst du auch in seinem Buch "Kein Herz aus Stahl" nachlesen: https://brunnen-verlag.de/kein-herz-aus-stahl.html

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