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  • AutorenbildAntje

Der Dealer Gottes

Vor einiger Zeit durfte ich einen interessanten und inspirierenden jungen Mann kennen lernen, mit dem Gott einen ungewöhnlichen Weg gegangen ist. Ich fand seine Lebensgeschichte so bewegend, dass ich sie hier, mit seiner Einverständnis, mit euch teilen möchte.

Und ich bete, dass Gott dein Herz durch dieses Zeugnis bewegt.


*Die Namen sind zum Schutz der Beteiligten geändert.*


Marc durfte in einem christlichen Elternhaus aufwachsen, lernte die Bibel, (Kinder-) Gottesdienste und was sonst noch so dazu gehört also schon früh kennen. Es wurde zur Gewohnheit die Gemeinde (Kirche) zu besuchen und einfach alles mitzumachen, denn bis zu einem gewissen Grad entscheiden das bei so ziemlich allen die Eltern.

Nach ein paar Jahren des bloßen Mittreibens fühlte er sich durch die Bekehrung (die Umkehr zu Gott) seines älteren Bruders in einer Art „Gruppenzwang“ dazu genötigt diesem Beispiel zu folgen. Außerdem hatte er Angst vor der Hölle, wo er nicht hin wollte und folgte dem Vorbild des Bruders somit halbherzig.

Ab der 5. Klasse hatte Marc kein einfaches Leben. Denn schon in diesem jungen Jahren wurde er von seinen Mitschülern, unter denen auch Christen waren, nicht nur geärgert, sondern regelrecht gemobbt. Durch diese schweren und für viele undenkbaren Erfahrungen gezeichnet, entwickelten sich schon früh Depressionen zu denen mit der Zeit auch Aggressionen dazu kamen, die ein Ventil brauchten.

Marc versuchte sich in dieser Zeit drei Mal das Leben zu nehmen, ohne das es jemandem wirklich aufgefallen wäre. Gott sei Dank wurde er jedoch vor dem Tod bewahrt, denn Gott hatte noch so einiges mit ihm vor, auch wenn Marc sein Wirken zu dem Zeitpunkt und in dem Alter noch nicht sehen konnte.

Schließlich fing er an seine Probleme mit Fäusten zu regeln, wodurch sich das Blatt für ihn scheinbar wandte. Die ersten Schlägereien zettelte er in der Schule an, was seine Mutter dann aber mitbekam, weil sie diejenige war, die ihn danach abholen musste. Doch nachdem er sich einmal außerhalb der Schule prügelte und somit den Konsequenzen entging, merkte er, dass diese Methode um einiges lukrativer für ihn war.

Also schrieb Marc demjenigen, den er verprügeln wollte einen Zettel, auf dem er ihn dazu aufforderte nach der Schule auf den Parkplatz am Friedhof zu kommen. Diesen Zettel ließ er dann durch die ganze Klasse gehen, sodass wirklich jeder davon wusste. Damit griff er den Stolz seines erwählten „Opfers“ an, der nun nicht anders konnte als nach der Schule dort zu erscheinen. Sonst wüssten alle sofort, dass er ein Feigling ist und er wäre auf jeden Fall unten durch.

Er erschien also und das Konzept von Marc ging offensichtlich auf. Die Schlägereien nach der Schule häuften sich, wobei meist die ganze Klasse anwesend war und zuguckte.

Ein oder zweimal versuchte auch jemand dazwischen zu gehen, aber auch diese wies Marc mit ein paar gekonnten Faustschlägen in ihre Schranken, sodass es schon bald keiner mehr wagte sich ihm in den Weg zu stellen.

Seiner Familie viel es nicht auf, da er nur sehr selten einstecken musste und für die paar Mal, die er doch den ein oder anderen Hieb abbekam glaubwürdige Ausreden parat hatte.

Doch sein Leben in der Schule änderte sich grundlegend, denn nun hatte jeder Respekt oder eher Angst vor ihm. Er wurde hoch angesehen, weil er sich mit der Zeit mit jedem Jungen aus seiner Stufe geprügelt und gewonnen hatte.


Durch Marcs steigendes Ansehen, stiegen bald auch die Sympathien ihm gegenüber und Freundschaften begannen. Das bekamen auch seine Eltern mit, die ihn so durch ihre elterlichen Instinkte mit bestimmten Freunden mitgehen ließen. In diesem Freundeskreis wurde viel getrunken und gefeiert, wobei er auch weiterhin den „anständigen Christen“ mimte und die Gottesdienste besuchte. Er fing also an ein Doppelleben zu führen. In der Schule war er der respektierte Schläger, der mit den anderen mitfeierte und in der Kirche war er der „Vorzeigechrist“, an dem nicht viel zu beanstanden war.


Dadurch das sein Freundeskreis ebenfalls Problembelastet und in schlechten Verhaltensmustern gefangen war, rutschte Marc immer tiefer in einen gefährlichen Strudel. So begann er nach einiger Zeit Gras zu rauchen. Doch als der Konsum sich erhöhte, fehlten irgendwann die finanziellen Mittel. Aufhören wollte er nicht, sodass er schließlich durch einen Freund die Bekanntschaft eines Dealers machte, der ihn weiter leiten konnte. So arbeitete er sich durch die verschiedenen Kontakte, die ihm immer wieder unterschiedliche Aufgaben gaben bis ganz nach oben zum Kopf einer Organisation vor.

Dort angekommen übernahm er die Aufgabe eines Dealers und Geldeintreibers für den Boss. Immer wenn sie Geld eintreiben mussten, was nicht gerade harmlos von statten ging, verlangte der Boss, dass Videos davon gemacht wurden. Dadurch hatte er die Sicherheit, dass wirklich das gemacht wurde, was er wollte und er hatte die Schläger in der Hand; da er sie jeder Zeit der Polizei zeigen und seine Handlanger somit hinter Gittern bringen könnte.

Mit der Zeit fing Marc sich den besten Teil von den Drogen, die er verkaufen sollte, zu nehmen und den Rest gestreckt zu verkaufen. Probleme brachte ihm das bei seinem Boss aber nicht ein, weil diesen nur interessierte, ob und wie viel Geld man einnahm.


Für viele wird das ziemlich krass scheinen, was es auch ist und vielleicht wird der ein oder andere sich auf fragen, wie so etwas in Deutschland bei unserem Rechtssystem überhaupt möglich ist. Die Frage stellte ich mir auch; doch die Antwort darauf ist ganz einfach: die Polizisten wurden monatlich geschmiert. Sie wurden und werden dafür bezahlt bei diesem ganzen Geschehen weg zu gucken.


Marc lebte also inmitten dieser Unmoral. Es war für ihn zur Normalität geworden, sodass er die Drogen sogar in der Schule nahm und fast dauerhaft „high“ war. Das merkte aber keiner, der es nicht merken sollte. Denn Marc hatte damals eine Pollenallergie, die seinen Zustand verdeckte. Das wird zum Beispiel an einem speziellen Schultag von ihm deutlich. Marc sagte seiner Lehrerin, dass er mal auf die Toilette müsse. Doch diese ließ ihn nicht sofort raus, sodass er zu spät zu seinem Freund kam, mit dem er sich dort zum „Kiffen“ verabredet hatte. Marc rauchte dort nur kurz und ging dann wieder zurück zum Unterricht. Auf dem Rückweg begegneten ihm jedoch der Direktor und zwei Polizisten. Diese sprachen ihn sofort auf seine roten Augen auf, was er mit seiner Pollenallergie erklärte, sodass er unbehelligt weiter gehen durfte.

Er war jedoch nicht „nur“ in der Schule „high“, sondern auch in Gottesdiensten, auf Events und hat in diesem Zustand sogar evangelisiert, was offensichtlich ebenfalls niemandem aufgefallen ist.


Doch mit der Zeit wurde es, wie zu erwarten, anstrengend den „guten Christen“ zu spielen. Die Tatsache, dass er den Samstagabend auch noch zum Dealen und Feiern brauchte, und genau an diesem Abend immer Jugend war, machte das Ganze nicht wirklich einfacher für Marc. Doch auch dafür sah er eine Lösung. Sein älterer Bruder besuchte seit einiger Zeit eine andere Gemeinde, in der die Jugendstunde Freitag- statt Samstagabend gehalten wurde. Marc sah seine Chance und überredete seine Eltern so, dass er auch dort hingehen durfte.


Aber es kam alles ganz anders als er erwartet, geschweige denn geplant hatte.


Er durfte Freitagabend also mit, worüber er sich sehr freute, weil er hoffte, dass sein Doppelleben nun einfacher werden würde. In der neuen Gemeinde angekommen, wurde er gegen seine Erwartungen von einer Liebe überwältigt, die er bis dahin nicht kannte. Diese Liebe blieb nicht nur zwischen den Jugendlichen, die sich kannten. Nein, sie schloss ihn mit ein.

Marc war von dieser Liebe einfach überwältigt.


Dieses Erlebnis hinderte ihn jedoch nicht daran, auch weiterhin in illegale Geschäfte verwickelt zu werden. Aber Gott kannte seinen weiteren Weg und hatte noch einen Plan mit ihm. Also gab er ihm die einzigartige Möglichkeit, dass der Boss der Organisation in seiner Schuld stand.

Wie das kam?

Marc sollte einen Dealer begleiten. Bei diesem Einsatz kam ihnen die Polizei über den Weg, die die Organisation genau in diesem Monat vergessen hatte zu bestechen. Sie waren also nicht auf ihrer Seite und es könnte schlecht für Marc und den Dealer enden. Kurz entschlossen, drückte der Dealer Marc die Tasche in die Hand. Denn wer würde schon einen kleinen, schmächtigen Jungen verdächtigen?! Mit dieser Aktion rettete Marc nicht nur mehrere Kilogramm an Gras, sondern auch die Organisation, die sonst aufgeflogen wäre. Der Boss stand also und steht noch in seiner Schuld.


Marc löste den Gefallen nicht sofort ein, sondern lebte erst einmal „normal“ weiter. Er mimte weiter den „vorbildlichen Christen“, als welcher er in einer neuen Gemeinde auch unter der Woche zum Gottesdienst ging, weil er kein schlechtes Bild abgeben wollte. Eines Abends sprach Gott in solch einem Gottesdienst auf eine liebevolle und unglaubliche Weise zu ihm und änderte sein Leben drastisch.

Während alle mit dem Lobpreis bestätigt waren, sah Marc seine Chance sich einfach irgendwo auszuruhen, weil in dem Moment sowieso keiner auf ihn achtete. So verkroch er sich also in eine Ecke und wollte einfach seine Ruhe haben. Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Verwirrt dreht er sich um, aber er sah niemanden. Dann hörte er eine Stimme, die er mit den Worten „laut wie ein Donner und doch sanft“ beschreibt. Die Stimme fragte ihn, was er da mache. Marc wusste, dass er Gott war und dass er mit seiner Frage Marcs Leben meinte. Ja, was machte Marc da mit seinem Leben? Er erkannte wie kaputt und leer sein Leben war und übergab Gott in diesem Moment auf dem harten Boden in der Ecke einer Kirche sein Leben.

Er bekehrte sich dieses Mal nicht, weil er es so vorgemacht bekommen hatte, sondern meinte es ernst. Er wollte jetzt wirklich mit Gott leben.


Dennoch gab es immer noch das Problem, dass er in der Organisation war und dort konnte man nicht einfach aufhören. Er wollte ganz mit Gott leben und sein Doppelleben hinter sich lassen, was nicht möglich ist, wenn man immer noch in illegale Geschäfte verwickelt ist aus denen man normalerweise nicht herauskommt. Ich sage normalerweise, weil Gott auch hier in weiser Voraussicht einen schon Ausweg geschaffen hat. Der Kopf der Band war Marc durch dessen „Rettungsaktion“ noch einen Gefallen schuldig, sodass der Austritt für ihn zwar immer noch schwierig, aber immerhin möglich war. Marc konnte sein altes Doppelleben also wirklich hinter sich lassen und sich ganz auf „nur“ ein Leben konzentrieren und dieses Leben richtet sich auf Christus.


Nach einiger Zeit wechselte Marc von seiner alten Jugend in die, die in der neuen Gemeinde war. Dorthin, wo er sich bekehrt hatte. Auch dieser Abschnitt seines Lebens war nicht einfach, weil dabei viele Kontakte zu seiner alten Jugend und seinen alten Freunden zerbrachen. Er wurde von den Christen aus seiner alten Gemeinde beschuldigt vom Glauben abgefallen zu sein. Doch er war nun auf dem Weg, den Gott schon vor Jahren für ihn bereitet hatte und er war und ist bereit diesen Weg bis zum Ende zu gehen.

Kurze Zeit später ließ er sich in der neuen Gemeinde Taufen und bekannte damit öffentlich seinen Glauben an Jesus Christus, der für ihn ans Kreuz gegangen war. Wie schon in seinem ganzen Leben, war auch dieses Ereignis voll von Gottes Gnade. Marc durfte beim Untertauchen (Die Untertauch-Taufe symbolisiert das Sterben des alten, sündigen Menschen und die Wiedergeburt des neuen, geheiligten Menschen.) eine Vision erfahren. Während er unter Wasser war, sah er sich selbst wie von oben. Dann sah er eine Hand von oben kommen, die etwas aus ihm heraus nahm und danach erschien eine Hand hinter ihm, die etwas neues in ihn hinein legte. Seit diesem Erlebnis darf Marc sowohl von den Depressionen als auch von den Aggressionen, die ihn sein Leben lang plagte befreit werden. Die erste Hand holte diese Sünden also aus ihm heraus, wofür er Gott unglaublich dankbar ist, auch wenn er noch nicht genau weiß welche neue Sache oder Eigenschaft die zweite Hand in ihn hinein legte. Aber ich bin davon überzeugt, dass Gott es ihm zur richtigen Zeit offenbaren wird.


Außerdem wurde Marc von seiner schweren Pollenallergie geheilt, die immer dafür gesorgt hatte, dass niemandem sein berauschter Zustand auffiel. Er sagte mir, dass es war, als hätte Gott ihm die Allergie als Schutz geschenkt, als Schutz vor Entdeckung. Denn so konnte er ein neues Leben anfangen, ohne, dass seine Familie oder Freunde in der Gemeinde überhaupt die Möglichkeit hatten ihn zu verurteilen. Auch wenn es traurig ist, so sind nämlich auch Gemeinden selten urteilsfreie Orte, weil wir alle begnadigte Sünder sind. Aber zurück zu Marc: die Allergie diente ihm also zum Schutz vor Entdeckung, weil Gott noch etwas mit ihm vor hatte und hat.


Gottes Weg mit ihm endet aber noch lange nicht. Bei einer Missionsvorstellung in seiner Gemeinde verspürte Marc den Ruf Gottes in den Dienst. Bereitwillig ließ sich Marc darauf ein, weil er hoffte so weit wie möglich von seinem gewohnten Umfeld und aus Deutschland heraus zu kommen. Wie so oft sind Gottes Wege jedoch anders als unsere und so bekam er von Gott den Auftrag die Menge an unerreichten Menschen in Deutschland zu erreichen. Seit dem sieht er die sozial Schwachen und kümmert sich mit seinen Mitteln um sie ohne Angst davor zu haben sich in die sozialen Brennpunkte Deutschlands hinein zu wagen.


Heute folgt Marc genau diesem Ruf Gottes und fasziniert und inspiriert jeden, dem er begegnet. Denn er lebt Christus und trägt sein Licht, seine Liebe in diese Welt.

Für ihn ist es ein Wunder, dass er keine rechtlichen Konsequenzen für sein damaliges Handeln tragen muss, weil viele Leute aus seinem alten Umfeld dafür ins Gefängnis kamen und ihn hätten verraten können, was, Gott sei Dank, aber niemand tat.


Das erste Mal als ich von Marc hörte, wurde mir direkt sein brennender Eifer für Gott vor Augen gestellt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung von der wunderbaren Geschichte, die Gott mit diesem jungen Mann schrieb und noch schreibt. Ich durfte einen Mann kennen lernen, der jede Gelegenheit und wirklich jede Zeit nutzt, um sie mit Gott zu verbringen und den Menschen, denen er begegnet, aus dem Überfluss, den Gott ihm gibt , weiter zu geben. Er ist sich im Klaren darüber, dass er viele Jahre seines Lebens verschwendet hat und setzt jetzt alles daran die verbliebene Zeit hundertprozentig für Gott zu nutzten.

Er hat eine neue Droge gefunden, die alle anderen in den Schatten stellt und keinerlei Nachteile hat. Er weiß, dass jeder Mensch diese Droge braucht, um sein Leben in Fülle zu leben und aus diesem Grund gibt er sie mit vollen Händen weiter ohne etwas dafür zu verlangen. Er hat Gott gefunden.




Anmerkung des Autors: In dem Gespräch mit ihm durften wir über die Anfänge seiner Probleme reden: Mobbing und die Ignoranz der Menschen. Ich fragte ihn, ob er sich damals Hilfe gewünscht hätte. Seine Antwort kam schnell: Ja!

Er hätte Menschen gebraucht, die für ihn da waren; wenigstens eine Person. Er hätte jemanden gebraucht, das Chaos in seinem Inneren und seines Lebens nicht ignoriert hätte. Er hätte jemanden gebraucht, der ihn gesehen hätte.

Aus diesem Grund möchte ich Dir heute Mut mache: Geh die Extrameile! Es ist egal, wie du angeschaut wirst. Es ist egal, ob der Mensch gesellschaftlich unter dir steht. Du wirst das überleben, auch wenn du dir eventuell ein paar dumme Kommentare von anderen anhören musst. Aber für diesen einen Menschen könnte es lebensnotwendig sein. Für diesen einen Menschen macht es einen enormen Unterscheid. Du könntest das Leben eines Menschen mit deinen Taten und Gottes Hilfe zum Besten wenden. Ist es das nicht wert!?





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