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  • AutorenbildAntje

Frauen an der Front - Mexiko

Seit zehn Jahren lebt die Familie Harder nun schon in Mexiko. Sie leben in einfachen Verhältnissen, strahlen aber eine große Zufriedenheit aus. Die sechsköpfige Familie ist durch ihre Arbeit viel unterwegs und ist in ihrer Zeit dort auch schon mehr als einmal umgezogen.

Doch wie ist eine deutsche Familie in Mexiko gelandet und was machen sie dort?


Anita Harder, die Frau des Missionars, Benjamin Harder, gibt hier einen kleinen Einblick in den Alltag der Familie und die Umstände, die sie mittlerweile kreuz und quer durch die Kolonien Mexikos treiben.

(Doch erst einmal müssen wir klären, was Kolonien sind. Das werden wohl nicht alle wissen. Kolonien sind Zusammenschlüsse mennonitischer Auswanderer. Mit der Zeit haben sich Dörfer mit eigenen Läden, Farmen und Käsefabriken gebildet. Die Gemeinschaften funktionieren meist fast autonom und Besuche in die nächste richtige Stadt sind selten nötig. Innerhalb der Kolonien wird unabhängig von der Landessprache plattdeutsch gesprochen, eine alte Sprache, die wie eine Mischung aus deutsch, englisch und der Herkunftssprache der jeweiligen Auswanderergruppen klingt. Kolonien gibt es nicht nur in Mexiko, sondern auch in Bolivien, Belize, Kanada, Amerika, Paraguay und so weiter. Man kann sie sich so ähnlich wie Amisch-Dörfer vorstellen.)


Gott begann an Benni und Anita zu arbeiten, bevor sie sich überhaupt richtig kannten. Benni hat durch eine schnelle Krebsheilung den Eindruck gewonnen, dass Gott noch etwas Besonderes mit ihm vor habe. Anita selbst hat damals einige Biografien über Missionare gelesen, die sie sehr angesprochen haben. Sie erzählt, dass sie sich anfing zu fragen: „Wäre ich bereit alles aufzugeben und einfach zu gehen?“ Sie verwarf den Gedanken jedoch gleich wieder, weil sie der Meinung war, dass das nichts für sie sei. Trotzdem ließ sie diese Frage nicht mehr los; sie musste immer weiter darüber nachdenken. Schließlich sprach sie eines Tages folgendes Gebet: „Herr, ich kann mir wirklich nicht vorstellen alleine zu gehen, aber wenn ich eines Tages verheiratet sein sollte und wenn mein Mann sagen sollte `Gott ruft mich`, dann werde ich ihn auf jeden Fall unterstützen und mitgehen.“ Danach habe sie Frieden gehabt, so erzählt sie, und habe nicht mehr weiter über das Thema nachgedacht.

Kurz darauf begannen Benni und Anita eine Freundschaft. Benni brachte Anita bereits in den ersten zwei Monaten ihrer Beziehung wieder auf das Thema, indem er ihr mitteilte, dass er den Eindruck habe, dass Gott ihn ruft. Er machte ihr klar, dass sie mitkommen müsste, wenn die beiden heiraten würden. Entgegen Benni´s Erwartung antwortete seine Freundin ganz entspannt und fröhlich: „Ja, gut. Ich komme mit. Kein Problem.“ Anita erklärte ihm wie es bei ihr dazu gekommen war und die beiden fingen an gemeinsam darüber zu beten.

Ein Jahr später sprachen sie Ehepaare aus ihrer Gemeinde an und baten diese ebenfalls mit ihnen zu beten. Und ein weiteres Jahr darauf trafen sie sich mit eben diesen Ehepaaren. In der Zwischenzeit hatte das junge Paar geheiratet. Bald darauf ging ihr Anliegen weiter in die Gemeinde und so wurden sie schließlich nach Mexiko ausgesandt.


Das klingt ziemlich mutig und einfach, doch Anita sagt von sich selbst, dass sie grundsätzlich ein Angsthase war. Sie hatte Angst vor der neuen Umgebung und davor zu fremden Menschen zu kommen. Die beiden würden in ihrem neuen Lebensumfeld niemanden kennen. Auch das Land an sich schüchterte sie ein. Die junge Frau erzählt, dass sie überhaupt keine Vorstellungen von Mexiko hatten. Was würden sie dort essen? Würde sie die Wäsche per Hand waschen müssen? Wie würden sie mit ihren neuen Aufgaben zurecht kommen? Solche und ähnliche Fragen kamen bei ihr auf. Sie sagt: „Das war einfach eine große Ungewissheit für uns. Wir wussten überhaupt nicht, was wirklich auf uns zukommt.“

Doch sie gingen. Geplant waren erst einmal zwei Jahre, um herauszufinden, ob es klappen würde. Mittlerweile ist die junge Familie seit zehn Jahren im aktiven Missionsdienst und um vier Kinder gewachsen.


Das Leben in der Kolonie ist anders als das, das wir aus Deutschland kennen. Während in Deutschland alle durcheinander leben, lebt man in den Kolonien relativ abgeschottet vom Rest der Welt. Außerdem ist es in Deutschland meist klar, ob man gläubig ist oder nicht, in der Kolonie sind auf den ersten aber alle Christen. Den Unterschied zwischen echten Gläubigen und Religionsanhängern findet man erst nach und nach heraus.

Aber auch ganz alltägliche Dinge sind anders. Anita erwähnt zum Beispiel die Zutaten, die man zum Kochen und Backen benötigt oder auch Entfernungen. Während in Deutschland eine halbe Stunde schon lang für einige ist, ist es in Mexiko ganz normal eine Stunde zu fahren, um Lebensmittel zu kaufen. „Die Häuser sind natürlich auch andere eingerichtet,“ erzählt Anita, „und es ist völlig normal zwei oder mehr Autos auf dem Hof zu haben.“


Anfangs war es eine Umstellung für das junge Paar mit diesen Unterschieden zu leben. Alles war spannend und neu, aber mittlerweile ist es normal. Die junge Missionarin gibt zu: „Wir sind eigentlich eher hier Zuhause als in Deutschland, weil wir uns hier so eingelebt haben.“

Schade findet Anita es aber, zum Beispiel, dass die Jugendgruppe in Mexiko so inaktiv ist. Das kennen sie und Benni so nicht aus Deutschland. „Bei denen ist Jugend so eine Nebensache und bei uns war die Jugend, das war das Leben“, erinnert die vierfache Mutter sich an ihre Jugendzeit. Man merkt, dass die Jugend ihr sehr am Herzen liegt. Sie wünscht sich für die Jugendlichen in der Kolonie auch so eine schöne Zeit wie Anita sie selber erleben durfte.


Die Familie lebt sehr einfach und hat immer offene Türen. Wenn sie nicht unterwegs sind, weil Benni irgendwo predigen oder Anita Frauenthemen halten darf, dann haben sie Besuch. Doch trotz dieses turbulenten Lebens, das zu Anitas Aufgabe als Ehefrau und Mutter dazu kommt, ist die junge Frau ganz entspannt. Sie weiß, dass ihr Leben sicher in Gottes Hand liegt. Ihm kann sie vertrauen. „Wenn Schwierigkeiten kommen, dann wird Gott das schon alles führen und das Gelingen zu allem schenken. Er wird einen Ausweg schaffen.“ Davon ist sie sichtlich überzeugt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sie ihren Dienst so hingebungsvoll leben kann. Ihr Leben und das ihrer ganzen Familie hat Gott im Zentrum.


Die Missionarin gibt zu, dass dieses Vertrauen nicht immer einfach ist: „Wenn Zuhause alles drüber und drunter geht und dann soll noch Besuch kommen und dann wollen wir weg fahren und alles auf einmal kommt, hatte ich am Anfang sehr Schwierigkeiten. Ich bin ein sehr durchgeplanter und strukturierter Mensch. Das war sehr schwer.“ Dennoch hat sie mit der Zeit gelernt auch diese Phasen dankbar aus Gottes Hand zu nehmen und ihm zu vertrauen.

Das ist zwischen Mutter-und-Ehefrau-sein, Chorproben, Frauenstunden und zeitweise ihrer Tätigkeit als Physiotherapeutin gar nicht so einfach. Wie schafft sie es dann trotzdem seit zehn Jahren liebevoll auf andere bedacht zu leben?

„Das Wichtigste ist, dass wir die Beziehung zu Gott pflegen, dass wir täglich in der Bibel lesen, beten und dass wir lernen zu vertrauen. Ich glaube, dass ich das Wichtigste“, verrät die Allrounderin. Vor allem das Gebet ist ihr sehr wichtig: „Wir haben eigentlich schon immer verstanden, dass beten wichtig ist, aber in der Mission wird das nochmal wichtiger.“

Das Missionarsehepaar betet viel gemeinsam und darf die Auswirkungen dieser Gebet auch immer wieder sehen. Sie dürfen erleben wie Menschen gerettet und verändert werden, Gemeinden entstehen und Wunder geschehen.


Die junge Familie ist bei ihrem Dienst in Mexiko vielen Herausforderungen ausgesetzt und steht immer wieder vor scheinbar unüberwindbaren Hindernissen. Doch in all dem vertrauen sie ganz auf den Gott, der sie bis hier her getragen hat. Sie wissen, dass er sie auch weiter tragen wird. Aus diesem Grund dienen sie ihm weiterhin hingebungsvoll. Sie wissen: er hat auch ihr morgen in der Hand.



auf dem Bild von links nach rechts: vorne: Rahel, Ruth, Miriam

hinten: Anita, Benni, Nathan


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