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  • AutorenbildAntje

Frauen an der Front - Bolivien

Anfang des Jahres 2000 hörten wir den Ruf Gottes in die Mission nach Bolivien. Auch wenn wir uns schon vor 10 Jahren bereit gestellt hatten nach Russland in die Mission zu gehen, so wollte der HERR uns zuerst in der Ortsgemeinde Minden durch die Gemeindearbeit formen. Seine Wege sind so wunderbar und vollkommen!

Der HERR lehrte uns viel Geduld und Vertrauen bis wir dann nach anderthalb Jahren, im August 2001, von der AGUM (Arbeitsgemeinschaft zur geistlichen Unterschätzung in Mennonitengemeinden) ausgesandt wurden.

Während dieser fast 20 Jahre in Bolivien sind wir dem HERRN täglich dankbar gewesen, dass wir uns unserer Berufung sicher sein durften. Genau so dankbar, wie dafür, dass wir schon fast 32 Jahre, seit dem 16.04.1989, Gottes Kinder sein dürfen.


Es hat zwar nicht immer nur frohe und leichte Tage während unserer Missionszeit gegeben, doch die Gewissheit, dass der HERR uns hier haben will, gibt uns immer wieder Kraft und Freude in seinem Weinberg zu arbeiten. Und nicht zuletzt auch das Vertrauen, dass unsere Gemeinde in Deutschland nicht nur uns auf Gebetshänden trägt, sondern auch für die Menschen hier in Bolivien, unter denen wir arbeiten, täglich beten. Preis den HERRN!


Ich, als Ehefrau eines Missionars, verstehe die Unterstützung meines Mannes in seiner Arbeit als meine wichtigste Aufgabe. Doch sieht diese Unterstützung oft sehr bunt aus. Und meine Aufgaben haben sich von Jahr zu Jahr sehr verändert. Die Herausforderung der ersten Jahre war nicht nur die Arbeit in Betesda, unserem Buchladen und Punkt der humanitären Hilfe, sondern auch die Erziehung und Bildung unserer fünf Kinder. Dazu kam noch die Geburt unseres Sohnes Andreas. Seiner Gesundheit wegen mussten wir während unseres Heimataufenthalts immer wieder Zeit in einer Herzklinik verbringen. Doch der HERR war immer treu! Er führte uns mit seiner liebevollen, väterlichen Liebe durch dick und dünn! So konnten wir trotzdem die geplanten Vorträge (über die Arbeit in Bolivien) in den Gemeinden in Deutschland durchführen, was zwischen den Wünsche jedes Kindes, Besuchen von Verwandten und Freunden, Krankenhausterminen, Einkaufen und so weiter nicht immer einfach zu bewältigen war.

Und wenn der Heimatdienst auch mit viel Stress verbunden war, oft auch mit Tränen und Kummer, hat es uns immer viel Freude bereitet die Reise nach Deutschland zu unternehmen.

Aber wir freuten uns auch immer besonders auf die Reise zurück auf das Missionsfeld, welches unsere Kinder inzwischen schon für ihr Zuhause hielten. Mit den Jahren wurde auch das Sehnen nach Freunden und Verwandten erträglicher.


Zurück zu den alltäglichen Aufgaben. Nicht das Ausladen von den vielen Containern, noch das Sortieren und Verteilen der Sachen waren meine schwierigsten Aufgaben, auch nicht das beständige Reisen in die Kolonien, Besuche, viele Gespräche, sowie später auch Bibelstunden und Gottesdienste in allen verschiedenen Orten (inzwischen schon 10 Gemeindestellen, in denen wir immer wieder helfen dürfen), sondern der Umgang mit den Mitarbeitern, die inzwischen schon recht viele wurden. Zuerst waren wir ganz allein. Ständig haben wir um mehr Arbeiter in dem Weinberg des HERRN gebeten. Das tun wir übrigens auch bis heute!

Gott hat unsere Gebete erhört. Doch mehr Mitarbeiter bedeuten auch mehr Arbeit. Viele Fehler, die durch Unachtsamkeit, Unerfahrenheit und Unverständnis entstanden, wurden uns von unserem gnädigen HERRN vergeben.


Viele schöne Stunden der Gemeinschaft und der gemeinsamen Arbeit haben wir genossen.

Doch leider gab es Niederschläge und Versäumnisse im privaten Leben (Kinder, Ehe), wo zu wenig Zeit dafür eingeräumt wurde. Das brachte dann so manche Schmerzen und Tränen, und dämmte teilweise auch die Arbeit ein.

Zurückblickend sind wir sehr dankbar, dass unsere Kinder allgemein immer sehr gut bei all der Arbeit und den Reisen mitgemacht haben. Auch hatten sie eine gute Beziehung zu den jüngeren Mitarbeitern, was eine große Bereicherung in ihr Leben brachte. Auch die verschiedensten Erlebnisse und Segnungen haben wir zusammen genossen (Bekehrungen, erste Bibelstunden, wichtige Gespräche, die schönen Gottesdienste im Freien oder in den engen Räumen, Schulanfang in neuen Schulen, Kinder-, Jungschar- und Jungendstunden, Kirchbau und -einweihung, Einsegnung von Diakonen, Predigern und Ältesten, viele Tauffeste, Evangelisationen, Rüstzeiten für Mitarbeitern, Freizeiten). Auch getrauert habe wir zusammen - über die bösen Überraschungen, Misserfolge und so weiter. Nach den anstrengenden Tagen und Reisen haben wir mit Familie und Mitarbeitern zusammen gesungen, musiziert, gelacht und Terre (kaltes Teegetränk in Südamerika) getrunken.


Doch es gab auch genug Stunden, in denen Verzweiflung und Mutlosigkeit überhand nahmen. Bei mir als Frau waren es oft Sorgen, was ich zum Essen vorbereiten kann, wie ich die ganze Arbeit im Haushalt schaffen und dabei freundlich sein kann, bei all dem Besuch, den der HERR uns schenkte.

Auch wenn ich mich sehr bemüht habe freundlich zu sein, war ich im Herzen nicht immer froh und willig den Menschen zu dienen. Diese Tatsache machte mich hilflos und traurig. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es alles zu viel für mich war. Ich durfte aber lernen, dass es Gottes Segen ist, wenn man Möglichkeiten hat, um anderen zu dienen und genau das will ich auch mit Freuden tun.


Inzwischen hat sich alles geändert. Nicht nur wir sind älter geworden, sondern auch unsere Kinder. Außer unserem Jüngsten haben alle ihr eigenes Heim gegründet. Der HERR hat uns bis hierher mit 14 Enkelkindern gesegnet. Es ist ein großes Vergnügen Oma zu sein. Da unserer Jüngster sich entschieden hat in einer der Kolonien (mit dem Namen „Horizonte“) zu arbeiten, wo wir unsere Radiostation haben, ist unser Heim oft leer und still. Aber auch das genießen wir, weil wir sehr viel unterwegs und unter Menschen sind.

Da zur Zeit schon drei Radiostationen am Laufen sind, wo wir einige Programme selber gestalten, nimmt es an Arbeit zu. Es ist nicht einfach mehrere Geschichten am Tag aufzunehmen und sie zu bearbeiten. Doch allein der Gedanke, dass die Kinder dadurch geprägt werden, gibt mir immer wieder neue Kraft es zu tun.

Auch die Arbeit unter Frauen (Frauenthemen aus guten Büchern vorbereiten und vortragen) hat mir immer auf dem Herzen gelegen, obwohl ich mich nie dazu begabt gefühlt habe. Doch die Notwendigkeit von besserem Wissen habe ich selber im eigenen Leben verspürt. Ich habe viel Glaubenserfahrungen und Gottes Führung erlebt, als ich notgedrungen als Lehrerin in der Schule arbeitete. Was man alles mit diesen kleinen Geschöpfen Gottes erleben kann ist nicht zu beschreiben. Nun, jeder Tag war ein besonderer Tag der Gnade.

Ich musste wie auch jeder andere Mitarbeiter hier lernen jeden Tag auf einmal zu nehmen und spontan zu sein und mich anzupassen, was nicht so meine Stärke ist. Doch meistens hilft es, alles mitzumachen und sich zu unterordnen, was ich aber sehr schwer lernen musste. Aber diese Erfahrung half mir in der Zeit der Depression, die ich nach meiner Krebs-OP bekam. Auch diese Erfahrung möchte ich in meinem Leben nicht missen, da ich dadurch näher zu meinem HERRN kam. Ja, ich durfte lernen, dass wenn ich IHN habe, so brauch ich nicht Himmel noch Erde.


Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist Du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ - Psalm 73, 26


Autor: Anna Giesbrecht (Santa Cruz, Bolivien)



Peter und Anna Giesbrecht mit ihren sechs Kindern in Bolivien (Stand 2010).


Von links: Andreas (der jüngste Sohn), Peter und Anna Giesbrecht (Stand 2021)

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