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  • AutorenbildAntje

Wahrheit durch Leiden

Dem ein oder anderen wird vielleicht aufgefallen sein, dass die Artikel seit etwa zwei Monaten sehr unregelmäßig veröffentlicht werden. Ich will ehrlich mit euch sein. Die letzte Zeit war nicht gerade einfach für mich. Ja, es ist unglaublich schön Teil von Gottes großem Plan zu sein und von ihm berufen zu werden. Aber das bringt auch Anfechtungen, Versuchungen und Angst mit sich. Diese Dinge kommen nicht von Gott, sondern vom Teufel. Ihm gefällt es nicht, wenn wir anfangen die Fülle unserer Berufung auszuleben und dieser Kampf ist schwer.


Als ich meinem Bruder davon erzählte, hat er mich freudenstrahlend angesehen und gesagt: „Antje, das ist doch genial!“ Ich fand an meinen Problemen, ehrlich gesagt, herzlich wenig genial, sodass ich ihn nur verständnislos ansah. Hatte er mir nicht zu gehört? Mein Leben glich einem Schlachtfeld aus Panikattacken, Depressionen und Aufgaben, die mir über den Kopf wuchsen. Das war alles andere als „genial“ für mich. Doch er meinte nur: „Du leidest für Gott. Das ist richtig gut, weil du dann weißt, dass du auf dem richtigen Weg bist. Du darfst für Gott leiden.“

Selbst jetzt war ich noch nicht seiner Meinung, denn unter „für Gott leiden“ verstand ich etwas anderes. Bis jetzt hieß „für Gott leiden“ meist, von anderen ausgelacht oder unverstanden zu werden, in Anfechtungen standhaft zu bleiben und ähnliches. Aber ich hätte nie gedacht, dass für Gott leiden auch psychisch möglich wäre. Ich habe den Gedanken erst einmal sacken lassen und Gott gefragt, ob das wirklich das ist, was momentan passiert.

Mittlerweile denke ich, dass mein Bruder recht hat. Für Gott zu leiden wird nicht ausschließlich durch Gefängnisaufenthalte um seines Namens willen oder durch öffentliche Schmähungen bestimmt. Ja, das ist das gängige Bild. Aber für Gott zu leiden heißt noch so viel mehr. Diese Dinge sind nur die äußeren Auswirkungen von etwas, das viel tiefer geht. Für Gott zu leiden heißt, durch tiefe Täler des Schmerzes zu gehen und unausgesprochene geistliche Kämpfe zu kämpfen. Es heißt, an ihm festzuhalten, selbst wenn alles in einem danach schreit einfach aufzugeben und diesen Kampf zu beenden. Für Gott zu leiden bedeutet manchmal alleine und unter Tränen vor ihm zu liegen und zu ihm zu schreien ohne das Gefühl zu haben, dass er einen hört. Für ihn zu leiden heißt, sich selbst täglich aufzugeben, gegen sein eigenes Fleisch zu kämpfen, sich selbst ans Kreuz zu nageln.


Das alles erfordert nicht immer körperliche Qualen. Es sind vielmehr geistliche Qualen, durch die wir gehen, wenn wir für ihn leiden. Ja, es kann ein Trauma sein. Es können Zweifeln sein, das Gefühl der Einsamkeit oder Verlust. Der Teufel weiß genau, für welche Lügen du und ich, jeder einzelne von uns, anfällig ist und er hat keine Scham genau da anzugreifen.


In diesen Momentan ist es enorm wichtig, sich mit Gottes Wahrheit zu umgürten (Epheser 6, 14) und den Schild des Glaubens hochzuhalten (Epheser 6, 16). Ja, ich weiß, dass einem in diesen Momenten der Schwäche und der Machtlosigkeit alles andere lieber ist als die Bibel aufzuschlagen. Und ich muss leider gestehen, dass ich diesen Kampf auch oft genug verliere, weil ich das Gefühlt habe, sowieso nichts aufnehmen zu können. Ließ sein Wort trotzdem und wenn du nicht so viel aufnehmen kannst wie sonst, dann ist das auch ok. Denn Gott sorgt selbst für sein Wort und das, was in deinem Herzen ankommen soll, kommt an, auch wenn dein Verstand es nicht sofort greifen kann. Gottes Wahrheit wird uns frei machen von den Lügen dieser Welt (Johannes 8, 32).


Ich weiß, dass die Zeit in Gottes Gegenwart besonders in solchen Momenten sehr schmerzhaft sein kann. Denn wenn wir damit zu ihm kommen, müssen wir uns emotional mit unserem Schmerz, unserer Sünde und unserer Trauer auseinander setzten. Das wollen die wenigsten, weil es viel einfacher ist, davon wegzulaufen und den Dreck zu ignorieren als ihn abkratzen zu lassen. Es tut weh, das Licht in unsere dunklen Ecken zu lassen, aber es ist ein heilender Schmerz. Gott nutzt ihn, um uns Heilung zu schenken. Es gibt keine Heilung ohne Schmerz. Nicht bei körperlichen Narben und auch nicht bei seelischen Narben.


Vor etwa einem Jahr durfte ich ein Buch lesen, das mir genau diese Wahrheit gezeigt hat. Seit dem werde ich das Bild, das dort beschrieben wurde nicht mehr los. Ich will versuchen es dir zu erklären. Ein junger Mann, der sein Leben lang in Sünde und Schmerz lebte, wird dort dem Licht Gottes ausgesetzt. Das Licht schneidet ihm durch Mark und Bein und bereitet ihm entsetzliche Qualen, sodass es laut aufschreien muss. Er bricht sogar davon zusammen. Das klingt hart, nicht wahr? Aber das passiert unserer sündigen Natur, wenn wir Gottes Gegenwart ausgesetzt sind. Doch da hört die Geschichte nicht auf. Als der junge Mann aufwacht, trägt er die weiße, reine Waffenrüstung Gottes und hat Gottes Geist in sich. Er ist Gott in dem Moment so ähnlich wie es auf der Erde möglich ist. Er ist rein, heilig, voller Kraft und frei von Sünde, Schmerz und Schuld, weil er Gottes Geist in sich trägt.


Das will ich auch, dachte ich mir in dem Moment, in dem ich es laß. Aber es ist nicht ohne den Schmerz möglich. Damit Gott vollkommene Gemeinschaft mit uns haben kann, muss erst einmal alles aus uns raus, was diese Beziehung stören würde. Gott muss in uns also sozusagen einen Frühjahrsputz machen. Er muss den Dreck von Jahren nach und nach von unserem Herzen abkratzen. Das ist nicht nur unangenehm, sondern tut enorm weh.

Aber denk daran, was dem jungen Mann danach passierte: er wurde komplett von Gott ausgefüllt, hatte so eine innige Gemeinschaft mit ihm und war frei von seinem alten Dreck. Das ist es doch wert, oder? - Für mich ist es das auf jeden Fall wert. Denn besser als in Gottes Gegenwart geht es nicht. Ich will ganz nah zu ihm.

Wie vorhin schon erwähnt, stört das den Teufel. Er will nicht, dass wir diese Gemeinschaft mit Gott erleben. Deswegen bringt er immer wieder Dreckhaufen für Dreckhaufen in unser Leben. Er liebt es, wenn wir in Sünde fallen und liegen bleiben. Doch Gott will mehr für uns. Er will Freiheit und Leben für einen jeden für uns. Dafür müssen wir aber zu ihm kommen - auch oder besonders in schweren Zeiten, in Zeiten, in denen wir leiden und Schmerzen fühlen.

Lass dich von Gott heilen. Ja, auch das ist schmerzhaft. Aber das ist ein anderer Schmerz als der Schmerz der Sünde. Gottes gebraucht Schmerz, um uns zu heilen und uns frei zu machen. Wenn wir uns mit unserem Dreck an ihn wenden, wird er uns durch den Schmerz hindurch heilen, statt uns darin versinken zu lassen.


Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger,

und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!

- Johannes 8, 31b-32 -




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